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Moviesfera-Redaktion
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Depps Scrooge ist ein Comeback-Test im Weihnachtsfilm-Kostüm

Paramount setzt darauf, dass eine beliebte Dickens-Geschichte leistet, was keine PR-Beraterin kann: zeigen, ob das Publikum Johnny Depp zurückwill oder nur Zylinder und Maske.

Veröffentlicht
24. Oktober 2026
Lesezeit
3 min
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Foto: Harald Krichel / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Wie bringt man einen umstrittenen Star am sichersten zurück auf die große Leinwand? Man versteckt ihn unter Prothesen, packt ihn in eine Geschichte, die jeder kennt, und startet den Film, wenn Familien etwas für alle suchen. Ob das so geplant war oder nicht: Genau so wirkt Ebenezer auf uns.

Die Fakten sind schnell erzählt. Paramount kündigte im Oktober 2025 eine neue Verfilmung von A Christmas Carol an, Regie führt Ti West nach einem Drehbuch von Nathaniel Halpern, Johnny Depp spielt Scrooge. Die Besetzung um ihn herum ist hochkarätig: Ian McKellen als Marley, Rupert Grint als Bob Cratchit, Andrea Riseborough als Geist der vergangenen Weihnacht, dazu Daisy Ridley und Sam Claflin. Der Film startet am 13. November 2026 in den Kinos in den USA und Großbritannien. Wie Variety berichtet, wird der neue Trailer als Depps erster Hollywoodfilm seit acht Jahren beworben.

Das Kostüm ist die Strategie

Ein Blick auf die Verpackung: Paramounts Slogan lautet „The name you know, the story you don't“ („Der Name, den Sie kennen, die Geschichte, die Sie nicht kennen“). Depp ist der Name, doch als Erstes verkauft das Marketing die Verwandlung. People nannte ihn „unkenntlich“ in der Schlagzeile zum Trailer, und Berichte von der CinemaCon betonten seine körperliche Wandlung zu Scrooge. Auf der Comic-Con erschien er im vollen Kostüm und stellte den Trailer in der Rolle vor.

Das ist clever und ein wenig verräterisch. Mit einer Charakterrolle kann das Studio das Handwerk eines Schauspielers vermarkten statt seiner Biografie. Scrooge ist zudem ein Mann, der Erlösung sucht, was als Subtext schwer zu übersehen ist. Wir glauben nicht, dass das jemand aussprechen muss. Das Publikum wird es bemerken, und die Prämisse des Films, Erlösung durch übernatürliche Besuche, erledigt praktisch die Arbeit.

Ti West und der gotische Ansatz sind die eigentliche Absicherung

Die klügste Entscheidung ist vielleicht gar nicht Depp. Mit West, einem Regisseur mit Horror-Erfahrung, und der Beschreibung als gotische Weihnachts-Dark-Fantasy erhält das Projekt eine eigene Identität. Selbst die Genrebezeichnungen sind unscharf: Wikipedia nennt den Film eine Dark Fantasy, während The Hollywood Reporter in der Trailer-Berichterstattung von einem „übernatürlichen Rachethriller“ spricht. Unserer Ansicht nach ist diese Unschärfe Absicht. Funktioniert der Film, ist er ein mutiger neuer Dickens. Ist Depp das Problem, bleibt es ein Ensemblefilm, bei dem McKellen, Grint und Ridley das Plakat tragen können.

Das Ensemble schützt auch vor einem schlechten Ausgang. McKellen selbst hat gesagt, seine Arbeit an der Produktion habe sechs Tage gedauert; seine Präsenz ist nach unserer Lesart also eher Garnitur als tragendes Element. Dennoch beruhigt sie die Geldgeber: Ernstzunehmende Leute haben zugesagt.

Was Trailer und Kinokasse uns tatsächlich verraten

Hier liegt der Test. Der Trailer ist bereits draußen, und laut der Zusammenfassung von Stuart Heritages Artikel im Guardian bei Wikipedia fielen die Kommentare zu Depps Rückkehr überwiegend zustimmend aus, auch wenn Heritage kritisierte, dass die Kampagne den Film als Hollywood-Comeback inszeniert. Zustimmende Kommentare sind allerdings billig. Kinotickets nicht.

Startet Ebenezer stark, bleibt die Frage, welchen Depp die Leute gekauft haben: den Schauspieler oder das Spektakel. Ein gutes Ergebnis könnte schlicht bedeuten, dass ein Scrooge im gotischen Mantel ein guter Aufhänger ist, wie schon für Generationen von Adaptionen. Deadline meldete im Dezember 2025, Warner Bros. habe eine konkurrierende Christmas Carol von Robert Eggers in Entwicklung, mit Willem Dafoe als möglichem Scrooge; Dickens gilt also eindeutig als sichere Bank. Ein Hit beweist demnach keinen rehabilitierten Star. Ein Flop wäre dagegen ein deutlicheres Urteil als jede Trailer-Reaktion.

Die ehrliche Lesart lautet unserer Meinung nach: Depps Zugkraft von der Marke Dickens zu trennen, ginge nur mit einem neuen Originalfilm, und genau dieses Risiko wollte Paramount nicht eingehen. Es ist ein Comeback mit Stützrädern.

Unsere Empfehlung: Beurteilen Sie den Film, nicht die Kampagne. Gehen Sie hinein, wenn Ihnen der gotische Scrooge mit Wests Handschrift gefällt, lassen Sie ihn aus, wenn nicht, und misstrauen Sie jedem, der die Zahlen des Startwochenendes als Referendum über eine Karriere behandelt. Das können sie nicht sein, nicht bei einer so robusten Geschichte.

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