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Fincher kürzt 60 Seiten: Die beste Nachricht für Cliff Booth

Ein 230-seitiger Tarantino-Entwurf, der „im Grunde zwei Filme“ war, brauchte einen Bearbeiter mit Rückgrat. David Fincher könnte genau das sein und die Netflix-Fortsetzung vor Fanservice bewahren.

Veröffentlicht
24. Oktober 2026
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3 min
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Foto: ManoSolo13241324 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Gibt es für einen Fan von Quentin Tarantino etwas Beängstigenderes als ein Tarantino-Drehbuch, das niemand anzufassen wagte? Vielleicht ist es die falsche Furcht. Die Nachricht, dass David Fincher 60 Seiten aus The Further Mis-Adventures of Cliff Booth gestrichen hat, klingt für manche nach Sakrileg. Wir halten sie für das ermutigendste Detail des Projekts bislang.

Das ist der Stand. In einem gemeinsamen Interview mit Empire sagte Fincher, die erste Fassung, die er las, habe 230 Seiten gehabt und sei „im Grunde zwei Filme“ gewesen. Er strich 60 Seiten, und der Film läuft nun rund 2 Stunden und 20 Minuten. Er startet am 25. November in IMAX und läuft ab dem 23. Dezember bei Netflix.

Wer so viel schreibt, braucht einen Leser, keinen Fan

Tarantinos Stimme ist der ganze Reiz, aber auch das Risiko. Once Upon a Time in Hollywood war nach seinen eigenen Worten ein Hangout-Movie, ein Film, der sich das Abschweifen leisten konnte, weil das Publikum wusste, dass er auf den Cielo Drive zusteuert. Diese Beklemmung übernahm die Handlung für ihn. Er sagt es selbst: „Ich brauchte nicht viel Handlung.“

Diesmal, so Tarantino, sei das Drehbuch „sehr anders“ und habe den Charakter „eines Elmore-Leonard-Taschenbuchs“. Eine Kriminalgeschichte lebt oder stirbt mit ihrem Tempo. Wenn ein Drehbuch für zwei Filme reicht, lautet die Frage nicht, ob es gut ist, sondern welchen der beiden Filme man dreht. Wir halten einen Regisseur, der das Material liebt, aber nicht emotional an jeder Abschweifung hängt, für die ideale Antwort. Tarantino hat erklärt, er habe sich gegen die Regie entschieden, weil sein geplanter letzter Film keine Fortsetzung sein sollte, und sagte, wie The Hollywood Reporter festhält, er gehe „noch immer über denselben Boden, den ich schon beschritten habe“. Diese Zurückhaltung könnte das Drehbuch ironischerweise von seinem Autor befreien.

Der Satz vom „Venn-Diagramm“ verrät viel

Finchers Beschreibung des Prozesses ist aufschlussreich: „Irgendwo darin lag das Venn-Diagramm aus dem, was Brad machen wollte, was ich machen will und was Quentin wollte.“ So spricht kein Auftragsregisseur, der einen heiligen Text verfilmt. Für uns klingt das nach drei starken Persönlichkeiten, die verhandeln, und der Film ist das, was von der Verhandlung übrig bleibt.

Wir wollen allerdings vorsichtig bleiben. Finchers Aussage ist Werbung, und wir haben den Film nicht gesehen. Ein Schnitt kann auch gerade die seltsamen, speziellen Szenen entfernen, derentwegen sich Tarantino lohnt. Auch die Seitenangabe ist nicht ganz einheitlich: Die meisten Medien nennen 60 Seiten, mindestens eine Schlagzeile aber 40. Die „60“ sollte man daher als Finchers eigene Zahl verstehen, nicht als gemessenen Wert. Und die Seiten sind nicht zwingend verloren: Tarantinos vollständige Geschichte erscheint im Dezember als Roman, laut IGN. Das ist ein kluges Ventil. Der Film darf schlank sein, während das Übermaß auf der Seite weiterlebt.

Warum das mehr sein könnte als Fanservice

Die bequeme Version dieses Projekts schreibt sich von selbst: Brad Pitt wieder als Cliff, ein nostalgisches Los Angeles des Jahres 1977, ein paar Augenzwinkern in Richtung des ersten Films. Netflix' eigene Ankündigung deutet auf etwas Anspruchsvolleres hin. Wie Deadline es beschreibt, „ist aus einem Märchen nun eine Kriminalgeschichte geworden“, in der Cliff als Fixer für die Großen und die weniger Großen Hollywoods arbeitet, mit einer Besetzung, zu der Elizabeth Debicki, Scott Caan und Yahya Abdul-Mateen II gehören.

Auch der Einsatz ist real. Der erste Film spielte laut The Hollywood Reporter weltweit 377 Millionen Dollar ein und gewann zwei Oscars. Eine Art Fortsetzung kann von diesem Wohlwollen zehren. Ein gestraffter, vom Tempo getriebener Kriminalfilm unter Fincher kann das unserer Ansicht nach nicht, und genau das spricht für ihn.

Unser Urteil

Die 60 Seiten sollte man nicht als Verlust lesen, sondern als Beleg dafür, dass jemand im Raum bereit war, dem Material Nein zu sagen, und dass der Film davon profitiert. Das ist seltener, als es klingt, und es ist das beste Argument dafür, dass daraus ein Film wird und kein Klassentreffen. Unser Rat: Wenn möglich, in IMAX ansehen, denn Netflix gibt dem Film zwei Wochen im Kino, und den Schnitt am Rhythmus der Geschichte messen, nicht an den Szenen, die man sich fehlend vorstellt. Wir können falschliegen, und 140 Minuten sind immer noch lang. Aber wir setzen lieber auf die Fassung mit Lektor.

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