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Moviesfera-Redaktion
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Klara and the Sun: Die Absage sagt mehr über Studios als über Jenna Ortega

Dass Sony den internationalen Start streicht, beweist nicht, dass Stars und Literaturvorlagen nicht mehr ziehen. Unserer Ansicht nach zeigt es, dass Studios mit Adaptionen im mittleren Budget nichts anfangen können.

Veröffentlicht
30. Oktober 2026
Lesezeit
3 min
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Foto: Margaret Gardiner / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

Reichen ein junger Star, ein gefeierter Roman und der Regisseur von Jojo Rabbit noch aus, damit jemand einen Film in die Kinos bringt? Sonys Antwort lautet bei Klara and the Sun offenbar: Schulterzucken.

Zwei schwache Zahlen und ein abgesagter Kinostart

Taika Waititis Adaption von Kazuo Ishiguros Roman zeigt Jenna Ortega als Klara, eine künstliche Intelligenz, die Kindern Gesellschaft leisten soll; in weiteren Rollen sind Amy Adams und Steve Buscemi zu sehen, wie Omelete schreibt. In den USA startete der Film am 23. Oktober 2026. Das brasilianische Portal Gazeta Culturismo meldet ein erstes Wochenende von rund 725.000 Dollar. Ein anderes Portal, Estação Nerd, beziffert den Auftakt auf 770.000 Dollar bei Produktionskosten von 25 Millionen Dollar. Da die Zahlen voneinander abweichen, sind beide als ungefähre Werte zu verstehen.

Die Folge: Collider berichtet, Sony habe den weltweiten Kinostart nach schlechten Kritiken und schwachen Einspielergebnissen abgesagt. Andere Medien richten den Blick auf Spanien. Screen Rant beruft sich auf die spanische Seite Hobby Consolas und schreibt, der Start in Spanien sei wegen überwiegend negativer Kritiken und sehr geringer kommerzieller Erwartungen gestrichen worden; das Studio wolle Berichten zufolge „Verluste minimieren“. Wie weit die Absage genau reicht, hängt also vom jeweiligen Bericht ab.

Nicht der Star hat versagt, sondern der Plan

Die bequeme Schlagzeile lautet: „Ortega kann keinen Film tragen.“ Wir halten das für faul. Ein Startwochenende unter einer Million Dollar sagt weniger über die Zugkraft einer Darstellerin aus als darüber, wie ein Film positioniert wurde, wie viele Leinwände er bekam und wie sehr jemand an ihn glaubte. Die Zahl der Kinos und das Marketingbudget liegen uns nicht vor, wir können also nicht genau sagen, was schiefgelaufen ist. Doch ein so kleiner Auftakt deutet oft auf einen Start hin, den das Studio längst aufgegeben hatte.

Auch die Reihenfolge der Ereignisse ist aufschlussreich. Zuerst kamen schlechte Kritiken und ein winziger US-Start, danach die internationale Absage. Das sieht nach einem Studio aus, das Verluste begrenzt, nicht nach einem, das entdeckt, dass die Generation Z sich nicht für Literatur interessiert.

Eine Literaturvorlage ist ein Risiko, kein Schutzschild

Ishiguros Roman ist nach unserer Lesart jene ruhige, melancholische Science-Fiction, die Kritiker verehren und Marketingabteilungen fürchten. „Prestige“ bringt einem Film Aufmerksamkeit bei Festivals und in Preisdebatten. Es liefert einem Plakat aber nicht automatisch einen Aufhänger, den Gelegenheitszuschauer in fünf Sekunden erfassen.

Die Kombination mit Waititi, dessen bekanntester Film in unseren Quellen Jojo Rabbit ist, war eine reizvolle Wette. Reizvolle Wetten brauchen aber einen Verleih, der bereit ist, sie zu pflegen. Ein Budget von 25 Millionen Dollar ist die unglückliche Mitte: zu teuer für einen billigen Independentfilm, zu klein für eine globale Blockbuster-Kampagne. Unserer Ansicht nach haben die Studios in dieser Mitte derzeit am wenigsten Geduld.

Adaptionen im mittleren Budget werden zu Waisen

Das ist die eigentliche Geschichte. Wenn ein solcher Film stolpert, scheint der Reflex zu sein, ihn aus den Märkten zu nehmen, statt den Start anzupassen. So wird das Scheitern zur selbsterfüllenden Prophezeiung: weniger Märkte, weniger Mundpropaganda, weniger Chancen auf ein zweites Leben. Spaniens Kinos ganz zu überspringen, wie berichtet wird, schließt die Tür, bevor das dortige Publikum sich äußern kann.

Es gibt ein naheliegendes Gegenargument: Die Kritiken waren Berichten zufolge schlecht, und nicht jede abgesagte Veröffentlichung verdient eine Rettung. Das stimmt. Manche Adaptionen funktionieren schlicht nicht, und manchmal tut ein Studio gut daran, kein weiteres Geld auszugeben. Zudem stammen die Angaben zur Aufnahme hier aus Sekundärquellen, nicht von einem Kritikenaggregator; wir tun also nicht so, als wüssten wir, wie schlecht der Film tatsächlich ist.

Doch selbst ein misslungener Film verdient einen besseren Abgang. Streaming oder ein verspäteter, kleinerer Start würden es neugierigen Zuschauern wenigstens erlauben, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Ob Sony das tut, ist unbekannt; in unseren Unterlagen steht dazu nichts.

Schuld ist der Startplan – urteilen Sie selbst über den Film

Klara and the Sun ist kein Urteil über Jenna Ortega und auch nicht wirklich eines über Literaturverfilmungen. Wir verstehen es als Urteil über ein System, das riskante, nachdenkliche Filme im mittleren Budget bewilligt und sie bei der ersten schlechten Zahl fallen lässt. Wer neugierig auf den Film ist, sollte darauf achten, wo er als Nächstes landet, statt ihn von vornherein für unzumutbar zu halten. Und wenn Studios mehr solcher Adaptionen wollen, müssen sie lernen, sie auch zu veröffentlichen – nicht nur, sie zu produzieren.

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