Lupin Staffel 4 muss nicht überraschen, sondern begeistern
Nach drei Jahren Pause kehrt Lupin auf Netflix zurück. Die Zukunft hängt an Omar Sys Charme und größerem Spektakel, nicht an Neuheit. Netflix sollte die Serie als reifes Event-Franchise behandeln.
Foto: Harald Krichel / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Kann eine Serie über Raubzüge noch überraschen, wenn wir wissen, wie die Tricks funktionieren? Wohl kaum, und Lupin Staffel 4 sollte nicht so tun. Entscheidend ist, ob sie uns noch verführen kann, und das ist eine andere Aufgabe.
Die Fakten sind einfach. Die neue Staffel erscheint heute, am 23. Oktober, bei Netflix mit acht Folgen, so Nostalgie, und Telestar zählt drei Jahre seit Teil 3. Assane Diop landete zuletzt in einer Zelle, nachdem er sich hatte fassen lassen, um sich seinem Erzfeind Hubert Pellegrini zu stellen. Omar Sy ist nun Co-Showrunner neben Louis Leterrier, und Serienschöpfer George Kay hat nach Staffel 3 die Serie verlassen, wie What's on Netflix berichtet.
Der Charme war immer das Produkt
Beim Start nannte der Kritiker von France Inter die Serie voller Fehler, aber mit verrücktem Charme. Das Drehbuch war mitunter ungeschickt, das Tempo hing in der Mitte durch, und die guten Gefühle wurden dick aufgetragen. Nichts davon hielt Zuschauer ab. Das Vergnügen lag darin, Komplize eines Zauberers zu sein, der uns den Trick hinterher zeigt.
Deshalb halten wir die Rede von der „Überraschung“ für eine Falle. Eine vierte Staffel kann den Schock eines Louvre-Putzmanns, der an der Mona Lisa vorbeifegt, nicht wiederholen. Sie kann aber dasselbe Vergnügen mit besseren Mitteln liefern. Sy selbst nennt Lupin gegenüber Netflix „ein außergewöhnliches Spielzeug“. Ein Spielzeug muss nicht neu sein. Es muss jedes Mal Spaß machen, wenn man es in die Hand nimmt.
Sys Übernahme der Kontrolle ist der klügste Schritt und der riskanteste
Die interessanteste Tatsache rund um diesen Start ist kein Trailer. Sy sagte Variety, seine Bedingung für die Rückkehr sei mehr Mitspracherecht gewesen, nachdem er frustriert war, dass Dinge, die er wollte, nie auf den Bildschirm kamen. Nun hat er die Macht, Ideen durchzusetzen. Er nutzte sie, um Théo Christine zu besetzen und Assanes emotionale Seite zu vertiefen, besonders die Vaterschaft.
Das gefällt uns. Ein Franchise-Hauptdarsteller, der eine Figur jahrelang gehütet hat, ist meist der bessere Verwalter als ein Gremium. Das Risiko kennt jeder Star-Produzent: Wenn der, der die Figur am meisten liebt, auch die Serie leitet, sagt niemand „diese Szene ist zu selbstverliebt“. Ohne Kay ist dieses fehlende Gegengewicht der Punkt, den man beobachten sollte. Das ist unsere Spekulation, da es noch keine Kritiken gibt. Metacritic führt Kritikerstimmen weiterhin als nicht verfügbar.
Alte Schule gegen neue Schule ist die richtige Wette
Die Ausgangslage gibt der Staffel einen echten Aufhänger. Assane werden Verbrechen angelastet, begangen von einem scheinbaren Nachahmer, der Deepfakes und Hacking nutzt. Sy beschreibt es als „ein bisschen alte Schule gegen neue Schule“ und sagt, die Staffel entferne sich weiter von Maurice Leblanc. Im Hollywood Reporter, zitiert von What's on Netflix, spricht er davon, bei Produktionswert und Action größer zu denken.
Wir halten das für die richtige Richtung, mit einer Einschränkung. Ein Gentleman-Dieb mit Fingerfertigkeit gegen algorithmische Fälschung ist ein schöner Generationenkonflikt und gibt der Serie einen Grund zu existieren, der über Nostalgie hinausgeht. Doch Steigerung hat eine Grenze. Größere Stunts wirken nur, wenn uns der Mann dahinter noch interessiert, und der berichtete Fokus auf Assanes Familie deutet an, dass das Team das weiß.
Als Ereignis behandeln, nicht als Serie am Fließband
Netflix' Aufgabe ist klar. Das ist kein überraschender Senkrechtstarter mehr. Unserer Ansicht nach ist es ein reifes Franchise mit einem bekannten Star und einem festen Publikum. Es verdient Event-Behandlung: weniger, größere Staffeln, bewusst genutzte lange Pausen und jedes Mal echtes Marketinggewicht. Das lange Warten, zu dem Netflix schwieg, ist ein Vorteil, wenn sich die Staffel wie eine Heimkehr anfühlt.
Sy hat außerdem angedeutet, dass das Finale verraten wird, ob die Serie endet. Das würden wir begrüßen. Lupin wirkt am besten, wenn die Serie selbstsicher ist und nicht gedehnt.
Unser Fazit: Erwarten Sie Charme und Spektakel, keine Neuerfindung. Wer die Serie nie gesehen hat: Die Staffel ist laut Variety als Neustart gedacht und zugänglich. Wenn sie begeistert, reicht das.
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