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Marvels TV-Pause ist kein Rückzug, sondern ein längst fälliges Eingeständnis

Die Pause für Realserien nach Daredevil und der Neustart mit Zodiac kommen dem Eingeständnis gleich, dass Marvels Disney+-Ära Masse mit Stärke verwechselt hat. Weniger, aber bessere Serien sind richtig.

Veröffentlicht
4. November 2026
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3 min
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Wenn ein Studio von einem „Reset“ spricht, heißt das meist, dass es zu lange zu schnell gelaufen ist. So lesen wir Marvels Berichten zufolge getroffene Entscheidung, die Maschinerie für Realserien eine Zeit lang abzuschalten. Nennen Sie es meinetwegen einen Rückzug. Wir nennen es die gesündeste Nachricht, die die Marke seit Jahren hatte.

Das liegt auf dem Tisch. Laut TheWrap endet „VisionQuest“ am 10. November, danach folgt die dritte Staffel von „Daredevil: Born Again“, die bereits als letzte angekündigt ist. Anschließend pausiert Marvels Realfernsehen bis nach „Avengers: Secret Wars“. Die erste Serie für die Zeit danach ist ein Spionagethriller namens „Zodiac“, angekündigt auf der New York Comic-Con. Marvel TV wird nun von Brad Winderbaum geleitet und ist laut TheWrap weniger an die Filme gebunden. Digg weist darauf hin, dass die Pause Berichten zufolge als Gelegenheit zum Neustart dargestellt wird und nicht als erklärte Begründung des Unternehmens – dieses „Berichten zufolge“ sollte man im Hinterkopf behalten. Das „Eingeständnis“ in unserer Überschrift ist unsere Lesart des Schritts, keine Aussage von Marvel.

Masse war nie dasselbe wie Stärke

Die Disney+-Ära begann, wie TheWrap es beschreibt, mit dem Auftrag, den neuen Streamingdienst mit Inhalten zu füttern. Feiges Ehrgeiz war es, Serien so groß und so vernetzt wie die Filme zu machen. Beide Ziele klingen im Konferenzraum vernünftig und sind schlecht für das Erzählen. Wer einen Kalender füllen muss, macht Serien, weil es einen Sendeplatz gibt, nicht weil eine Figur danach verlangt.

Die Kosten zeigen sich beim Publikum. Jon Giegengack von Hub Entertainment Research sagte TheWrap, ein Gelegenheitsfan, der erst alles andere nachholen zu müssen glaubt, stoße auf „Reibung“, und die Zuschauer hätten im Streaming-Zeitalter gelernt, sich damit nicht abfinden zu müssen. Wir stimmen zu und gehen weiter: Hausaufgaben sind ein schlechtes Geschäftsmodell für eine Marke für den Massenmarkt. Marvel hat sein Publikum jahrelang darauf trainiert, die Serien als optional zu betrachten.

Die besten Serien waren die, die aufhörten, sich wie Filme anzufühlen

Das aufschlussreichste Detail der Berichterstattung betrifft nicht Budgets oder Programmplanung, sondern das Handwerk. Das frühe Marvel TV setzte auf Head Writer und Regisseure statt auf Showrunner, und das Ergebnis war laut TheWrap eine Reihe von Serien, die viele Fans als „in Teile geschnittene Filme“ beschrieben. Autor Dave Gonzales sagte es unverblümt: „Ich glaube nicht, dass man sich darauf eingelassen hat, Fernsehen um des Fernsehens willen zu machen, bis es viel zu spät war.“

Die Wende ist bemerkenswerterweise dieselbe Geschichte von der anderen Seite erzählt. TheWrap verweist auf den Wechsel zu traditionellen Fernsehmodellen ab etwa 2023 und auf das Wohlwollen der Kritik, das „Agatha All Along“, „Wonder Man“ und „VisionQuest“ zurückgewonnen haben. Unserer Ansicht nach ist das die ganze These im Kleinen: Wenn Marvel Fernsehen Fernsehen sein lässt, funktioniert es. Eine Pause ist der billigste Weg, diese Lehre zu verankern.

Zodiac ist ein gutes Zeichen – wenn das Versprechen hält

GamesRadar titelt, „Zodiac“ werde ein kleineres Budget haben und hoffentlich mehrere Staffeln laufen. Mehr können wir anhand des vorliegenden Materials nicht sagen, aber die Richtung ist ermutigend. Ein Spionagethriller wirkt wie ein bewusster Schritt weg von den Hausaufgaben des kosmischen Multiversums. Winderbaum hat laut MovieWeb außerdem davon gesprochen, mehrstaffelige Serien anzustreben – etwas, das Marvels Streaming-Phase selten geliefert hat.

Dennoch ist eine gesunde Portion Skepsis angebracht. Ein Neustart ist ein Versprechen, kein Ergebnis. Derselbe Wrap-Artikel nennt unter den Problemen der Disney+-Ära „seltene Verlängerungen, wiederholte Kehrtwenden“. Eine Pause, an deren Ende der alte Feuerwehrschlauch wieder aufgedreht wird, wäre das schlimmste Ergebnis.

Es gibt zudem einen unbequemen Kontext: Disney plant laut HNGN Berichten zufolge Tausende Entlassungen und Kostensenkungen von bis zu 20 % für einige Führungskräfte, wobei unter anderem die Fernsehsender und das Filmstudio überproportional betroffen sein sollen. Wir behaupten nicht, dass beides zusammenhängt, denn nichts in den Unterlagen sagt das. Aber es wäre naiv zu glauben, ein schlankeres Marvel TV sei eine rein künstlerische Entscheidung.

Unser Urteil

Pausieren, dann kleiner zurückkehren – mit Showrunnern, denen eine einzelne Figur am Herzen liegt, und mit Serien, die für sich stehen. Wenn Marvel das tut, wird die Pause als das Klügste dieser Ära erscheinen. Kehrt es mit einem ebenso vollen Programm zurück, war der Reset nur eine Pressemitteilung. Wir hoffen auf die erste Variante und werden „Zodiac“ daran messen, ob ein Neueinsteiger auf Play drücken kann, ohne einen Lehrplan zu brauchen.

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