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Moviesfera-Redaktion
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Scorseses Cleopatra: Wie ein einziger Hack ein Epos begraben kann

Scorsese macht den Sony-Hack und eine Seth-Rogen-Komödie für das Aus seines Epos mit Jolie verantwortlich. Scherz oder nicht: Es zeigt, wie fragil der Ehrgeiz großer Studios ist.

Veröffentlicht
1. November 2026
Lesezeit
3 min
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Foto: Harald Krichel / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Was braucht es, um ein römisches Epos von Martin Scorsese mit Angelina Jolie in der Hauptrolle zu töten? Keinen Flop an der Kinokasse, keinen kreativen Streit, sondern, wenn man dem Regisseur glaubt, einen nordkoreanischen Diktator, der einen Witz nicht verstand. Das klingt wie eine Pointe. Wir halten es eher für eine Diagnose.

Ein Witz mit einer echten Wunde darunter

Die Geschichte kam diese Woche in der ersten Folge von Tribecas Reihe Crafty ans Licht, in der Scorsese mit seiner Tochter Francesca sprach. Wie Variety berichtet, sagte er, das Projekt mit Jolie sei wegen Seth Rogen und des Sony-Hacks gestoppt worden. Seine Worte, wie mehrere Medien sie zitieren: „Wir wollten irgendwann Cleopatra machen, und dann haben sie sich über [Kim Jong Un] lustig gemacht, und er wurde wütend und hat bei Columbia alle in die Luft gejagt.“ Jolie, fügte er hinzu, „sollte Kleopatra VII. spielen. Es wäre richtig wild geworden.“

Einige Einschränkungen sind wesentlich. Rogen war nicht persönlich verantwortlich, und IBTimes weist darauf hin, dass Scorsese nie genau sagte, warum das Projekt endete, dass Sony sich nicht öffentlich geäußert hat und dass seine Darstellung nicht unabhängig überprüft wurde. Der Ton war erkennbar neckend: „Sagt Seth Bescheid, denn sie haben alles ruiniert.“

Der Hack hat Cleopatra nicht getötet, er hat alles beseitigt, was sie schützte

Hier unsere Lesart, und sie ist eine Interpretation, keine gesicherte Tatsache. Ein solches Projekt lebt von Vertrauen: zwischen einer Studiomanagerin oder einem Studiomanager, einem Produzenten, einem Star und einem Regisseur. Das Datenleck von 2014 machte dieses Vertrauen zu öffentlichem Eigentum. Unter den Tausenden offengelegten E-Mails war eine von Scott Rudin, in der er Jolie in einer Nachricht an Amy Pascal, die damalige Co-Chefin von Sony, „ein minimal talentiertes, verwöhntes Gör“ nannte. Rudins Äußerungen waren privat und wurden ohne seine Zustimmung veröffentlicht.

Man bedenke, was das für einen Film bedeutet, der ein riesiges Budget und einen Star im Zentrum braucht. Sony verschob laut IBTimes danach Projekte, überprüfte Verträge und stellte Führungskräfte um. Wir vermuten, dass ein Epos bei einem solchen Großreinemachen als Erstes fällt, weil es das teuerste Versprechen im Programm ist. Es muss nicht per Beschluss gestrichen werden. Es genügt, dass alle, die daran glaubten, abgelenkt, beschämt oder verschwunden sind.

Das ist die fragile Seite des Ehrgeizes der großen Studios. Wir stellen uns einen großen Film gern als Monolithen vor. In der Praxis ist er ein Stapel brüchiger Gefälligkeiten, und ein Skandal, der mit dem Film nichts zu tun hat, kann die unterste herausziehen.

Cleopatra war schon vorher ein verfluchtes Projekt, und das zählt

Bevor wir den Hack zum alleinigen Schurken erklären, eine Portion Skepsis. TheWrap weist darauf hin, dass Hollywoods Interesse an einer Cleopatra mit Jolie jahrelang öffentlich war; Namen wie David Fincher, James Cameron, Paul Greengrass und Ang Lee wurden zu verschiedenen Zeitpunkten als beteiligt oder in Betracht gezogen genannt. Danach wurde David Scarpa 2016 für eine Überarbeitung des Drehbuchs engagiert, und Denis Villeneuve soll 2017 in Gesprächen gewesen sein. Ein Projekt, das durch so viele Hände geht, ist unserer Ansicht nach nicht gesund, mit oder ohne Hack.

Wir würden daher sagen: Der Hack war der sauberste Ausweg, nicht zwingend der einzige. Er ist auch die unterhaltsamere Geschichte, und vielleicht erzählt Scorsese sie deshalb so gut. Die eigentliche Nachricht ist laut TheWrap, dass er offenbar überhaupt nahe dran war, den Film zu drehen.

Epen sterben selten an schlechten Ideen, sondern wenn der Glaube schwindet

Die Ironie ist köstlich: Scorsese trat später als er selbst in Rogens Apple-TV-Komödie The Studio auf, in der Rogen einen Studiochef spielt, der ein Projekt zum Scheitern bringt, das der Regisseur unbedingt machen will. Die Realität hat den Pitch offenbar zuerst geschrieben.

Unser Urteil: Das ist kein Klatsch über Rogen. Es ist eine Erinnerung daran, dass die Epen, denen wir nachtrauern, selten von schlechten Ideen ermordet werden. Sie sterben an unglücklichem Timing, an Lecks und an der Stimmung in einem Sitzungssaal. Scorsese drehte weitere Filme und scherzte, beim großen römischen Epos habe er „den Zug verpasst“. Hinter dem Scherz ist das Kino unseres Erachtens wohl ärmer um eine Cleopatra, die wir nie sehen werden. Wenn ein großer Film das nächste Mal leise verschwindet, sollte man fragen, wer aufgehört hat, daran zu glauben, und warum, bevor man das Drehbuch verantwortlich macht.

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